meine Rollen: Performer_in, Workshopleitung, Teile des immersiven Bühnenbilds für #4

SISTERS ACADEMY

Academy #4, Reykjavik (ISL) (2016)
Academy #6, Kopenhagen (DK) (2017)

Poetische und sinnliche Wissensproduktion

Sisters Academy ist eine immersive interaktive Performance an der Schnittstelle von Performancekunst, Forschung, Aktivismus und Pädagogik. Eine Schule in einer potentiellen zukünftigen Gesellschaft, in der die sinnliche und poetische Seinsweise im Zentrum der Aufmerksamkeit und des Handelns steht.
Die Methode ist immersiv in dem Sinne, dass ein kompletter Ort in einen ungewöhnlichen Schwellenraum verwandelt wird, der die Sinne aktiviert und uns erlaubt, radikal anders als im Alltag zu denken und zu fühlen. Alle, die die Schule betreten, werden als Studenten, Lehrer oder Gäste der Sisters Academy wahrgenommen, und alle Interaktionen finden in diesen Rollen statt. Sowohl die Lehrenden (Performerinnen und Performer) als auch die Lernenden (Besucherinnen und Besucher) verlassen ihre alltägliche Persona, um ihr “poetisches Selbst” (the Poetic Self) zu erforschen – keine Fiktion, keine Figur, sondern Ihr inhärentes poetisches Potential, das Sie im Alltag vielleicht nicht zum Ausdruck bringen. Dies dient als Werkzeug, um zu untersuchen, wie wir die Sinne und Emotionen evozieren und aktivieren können, um die Lernerfahrungen zu vertiefen. Beispiele für Poetic Self Namen der Lehrenden: The Sister, The Fluid Narrator, Lover, The Here and Now, The Mechanic, Mongrel, oder…  Touched.

Konzept und Gesamtregie:
Gry Worre Hallberg (The Sister) (DK)

Zwei große Formate wurden bisher in unterschiedlichen Varianten erforscht:

Format 1

Vorübergehende Übernahmen von tatsächlichen Schulen, bis zu 14 Tagen. Die Academy #4 in Reykjavik war eine einwöchige Version einer Übernahme. Wir verwandelten die Schule in eine eindrucksvolle Landschaft aus Licht-, Ton- und Bühnenbildgestaltung, und führten Einzelsitzungen mit Studenten und kleinen Gruppen von Studenten durch. Ich entwickelte zwei Ausgangspunkte für meine Interaktionen mit den Schüler_innen: Zum einen die Installation einer dritten Option bei den Toilettanlagen, zum anderen ein tragbares Interaktionswerkzeug aus beschädigten Puppen aus dem Arbeitsmaterialien-Fundus der Werklehrerin. Alle Performer_innen entwickelten Beiträge in Kooperation mit Lehrenden der Schule, die in die täglichen Klassen eingeflochten wurden. Zusätzlich zu diesen inszenierten Interaktionen gab es gestaltete improvisierte Begegnungen, die zu jeder Zeit und an allen möglichen Orten innerhalb der Schule möglich waren.

Videodokumentation Sisters Academy #6

Format 2

Einmonatige Internate in Kunstinstitutionen, die einschließlich aller Stockwerke und Räume des Gebäudes in eine immersive Bühne verwandelt werden – wie z.B. Academy #6 in Kopenhagen. Interessierte Menschen jeden Alters können sich dort einschreiben, um mit den Lehrkräften und der Sister (Gründerin & Direktorin der Academy) neue Formen des poetischen und sinnlichen Lernens zu erforschen. Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler, um die immersive Erfahrung des Internats zu intensivieren, sind zum Beispiel: Eine Mindestdauer von 24 Stunden (einschließlich Übernachtung), das Tragen von ausschließlich schwarzweißer Kleidung oder die vollständige Entfernung oder Überklebung der Markennamen & Logos aller Toilettenartikel und persönlichen Gegenstände, die die Schülerinnen und Schüler mitbringen. Dieses Format beinhaltet temporäre Forschungslabore von Gast-Lehrer_innen und -Künstler_innen, ungewöhnliche Mahlzeiten, sowie abendliche Konzerte. Mein Beitrag zur Academy #6 war es, als Gastkünstler_in über den Zeitraum von einer Woche einstündige Klassen mit Übungen zu Bewusstseins-Stretching und zum Sprechen aus einem intersubjektiven Wir-Raum anzuleiten.